Eine erschreckende Entlassungswelle rollt durch die amerikanischen Major Studios in den USA. Immer wurde die Wichtigkeit des Premium-Verbreitungsweges Kino für herausragenden Content beteuert. Für Kinoketten galten die marketingschweren Tentpole Produktionen als Umsatzgaranten. Die Arthouse Kinos sind hingegen für anspruchsvolle und außergewöhnliche Filme oftmals der einzige Weg, an der engen Fernsehprogrammierung vorbei, ihr Publikum zu finden. Bedeutet die jüngste amerikanische Entwicklung das „Aus“ für hiesige Kinoproduktionen?

 

Die internationale Kinokette Cineworld wird ihre Kinos in Großbritannien und Irland vorerst schließen. Der zweitgrößte Player international nimmt damit ca. 1.200 Leinwände vom Markt, hunderte Arbeitsplätze sind betroffen. Die Premieren der Großproduktionen „Black Widow“, „The King's Man“, „West Side Story“, „Top Gun Maverick“ und des neusten Bond-Films „Keine Zeit zu sterben“ wurden ins nächste Jahr verschoben, „Wonder Woman 1984“, „Dune“, „Tod auf dem Nil“ und der Pixar-Animationsfilm „Soul“ sind im November und Dezember geplant, aber möglicherweise ebenfalls betroffen. Amerikanische Blockbuster sicherten den gebeutelten Betreibern überlebenswichtigen Umsatz. Corona-bedingte Sitzplatzreduktionen verstärkten den Druck auf staatliche Hilfspakete. Was bedeutet das für deutsche Produktionen, Filmförderung und die Kinokunst?

Immer wieder gab es in der Vergangenheit große Entlassungswellen bei amerikanischen Studios, insbesondere um Kosten zu sparen und damit die Profitabilität zu steigern. Im Kontext der Release-Strategie erscheinen die jüngsten Entwicklungen in einem anderen Licht.

Warner Bros. verkündete bereits im August diesen Jahres, sich von 600 MitarbeiterInnen im internationalen Verleih und dem Pay-TV-Sender HBO zu trennen, darunter auch durchaus prominente Namen wie Ron Sanders (weltweiter Verleih-Chef) und Jeffrey Schlesinger (weltweiter TV-Programm-Chef). Auch wenn der Schwerpunkt bei Walt Disney auf den Vergnügungsparks lag, verursachte die Zahl von 28.000 Entlassungen Unruhe auch in den Filmbereichen des Studios.

Vergleicht man die Aktienkurse der großen Studiokonzerne mit dem von Netflix, erkennt man den bitteren Trend. Tradierte Medienkonzerne sind dem Streamingdienst zumindest an der Börse nicht ebenbürtig. Natürlich ist der Börsenwert insgesamt nicht mit den gigantischen Major Studios vergleichbar. Trotzdem drängt sich das Bild der eitlen Segelschiff-Werften und ihrer Meinung über die stinkenden Dampfschiffe im 19. Jahrhundert auf. Das Resultat ist weithin bekannt.

Bis 30. September waren insolvenzbedrohte Unternehmen in Deutschland durch das Covid-19-Insolvenzaussetzungsgesetz geschützt. Bis 31. Dezember ist zumindest noch die Antragspflicht wegen Überschuldung ausgesetzt, aber bei anderen Indizien – insbesondere fehlender Liquidität – greift wieder der harte, strafbewährte Rechtsrahmen. Entsprechend ist eine Welle von Insolvenzen in Deutschland erwartbar, mit Auswirkungen auf die Grundpfeiler der Kinobranche. An den Kinos hängen Verleiher, an ihnen die Förderung und damit letztlich der Kinofilmproduzent, seine Angestellten, produktionsabhängig Beschäftigte und Künstler.

Die Stärkung der Kinos, jedes einzelnen Kinofilms über gegenseitige Promotion, Empfehlung und natürlich auch der Besuch der Kinos sollte für alle Beteiligten eine hohe Priorität haben. Wir brauchen Kinobesucher und mutige Kinobetreiber um die Welt, wie wir sie kennen und lieben, zu erhalten. Gerade deutsche Filme verdienen deshalb unsere besondere Aufmerksamkeit. Aktuell zeigt Michael Endes Abenteuergeschichte „Jim Knopf und die Wilde Dreizehn“ eindrucksvoll, wie unbekannte Mächte durch das Engagement jedes Einzelnen beherrschbar werden. Viel Spaß im Kino!

Bild © kordi_vahle | Pixabay

 

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