Wie erwartet steigen die Covid-19-Infektionszahlen nach der Urlaubssaison und bei kühlerem Wetter, bei dem sich das Treffen mit sozialen Kontakten wieder mehr in Innenräume verlagert. Um Deutschland herum explodieren die Zahlen. Längst überwiegen Reiserisiken etwaige, regionale Förderchancen bei der Standortwahl. Aber was bedeutet das für Produktionen aus betroffenen Regionen wie Berlin-Kreuzberg oder München? Wo dürfen Schauspieler und Stabmitglieder aus deutschen Risikogebieten drehen?

Es ist nicht einfach, zuverlässige Informationen über konkrete Maßnahmen in der jeweiligen Region zu erhalten. Auf Basis der unterschiedlichen Kennzahlen des RKI legen Bundesgesundheitsministerium und Auswärtiges Amt bundeseinheitliche Rahmenregelungen fest. Die Umsetzung des Infektionsschutzes ist Ländersache und so sind, trotz Abstimmungen, die Regeln unterschiedlich. Hinzu kommen kommunale und privatrechtliche Richtlinien. Drehvorbereitungen sind aufwändiger als bisher, mit ungewisser Entwicklung bis zum jeweiligen Drehtag. Nicht immer helfen die klassischen Ansprechpartner.

Filmcommissions sollen Produktionen bei der Beschaffung öffentlicher Informationen unterstützen, den Dialog zwischen ProduzentInnen und Verwaltung erleichtern. Aber auch ihre Möglichkeiten sind begrenzt. Zwar können veröffentlichte Regelungen dort kurzfristig und aktuell beschafft werden, aber die schwer vorhersehbare Dynamik der Pandemie macht dies zu einer Sisyphusarbeit.

Absurd sind die Unterschiede der Bundesländer bei notwendiger Reisetätigkeit zwischen den Ländern. Gerade Baden-Württemberg ist besonders streng mit Einreisenden aus Risikogebieten. Hier mag man zuerst an die ausländischen denken, aber auch die innerdeutschen zählen dazu. Geachtet wird auf die aktuell aufgeführten Risikogebiete und die persönlichen Aufenthaltsorte der letzten 14 Tagen vor „Einreise“. Unter diesen Gesichtspunkten werden Location-Scoutings im Grenzgebiet vermieden, ortsfremde Filmschaffende nur im Notfall berücksichtigt und auf Reisen lieber verzichtet. Eine Herausforderung – gerade für Großprojekte.

Hygienebeauftragte, Hygienekonzepte und bestenfalls BetriebsärztInnen helfen, den reibungslosen Dreh zu gewährleisten. Dienstleister und Spezialanbieter haben sich längst auf die neuen Anforderungen eingestellt. Ob die Hilfen der Sender, Förderungen und staatlichen Stellen ausreichen, die Mehrkosten für Vorsorge und Unterbrechungen zu decken, muss sich noch zeigen. Im Resultat kann jedoch konstatiert werden: Deutschland dreht, auch wenn die Welt steht.

Bild © Logan Weaver | Unsplash

 

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