Der Blick auf die Infektionszahlen ist für viele ein tägliches Prozedere geworden. Die Corona-Statistik ist quasi der neue Wetterbericht: Wo kann ich drehen und welche neuen Regeln müssen befolgt werden? Die Finanzierung und Refinanzierung der Mehrkosten oder gar kompletter Ausfallkosten stellt Produzenten vor große Herausforderungen. Auch die punktuell steigenden Fallzahlen auf Grund von Urlaubsheimkehrern setzen die Branche unter Spannung, denn jeder Schritt nach vorne ist zunächst ein Schritt auf dünnes Eis.

Viele Produktionsfirmen haben diesen Schritt bereits gewagt und drehen unter den Hygienemaßnahmen der „Branchespezifischen Handlungshilfe „Filmproduktion““ der BG ETEM. Aber die Befürchtung, dass eine einzige Infektion oder gar ein erneuter Lockdown die gesamte Produktion zum Stillstand bringen kann, ist immer noch in vielen Köpfen verankert, vor allem wenn es sich um sehr kostenintensive Produktionen handelt. Unabhängig vom Produktionsbudget kann ohnehin kaum ein Unternehmen die Kosten einer abgebrochenen Produktion allein stemmen.

Mit dem Auslaufen der Hilfestellungen der TV-Sender, die bis zu 50% der anfallenden Mehrkosten durch Corona-bedingte Verzögerung oder Abbruch einer Produktion übernehmen, setzt die Branche ihre Hoffnung auf den Anfang Juli neu angestoßenen Ausfallfonds der Bundesregierung. Dieser hat jedoch einen Makel: Zwar stehen 50 Mio. Euro als Puffer für abgebrochene Produktionen bereit, diese werden jedoch nur an Kino- und „High End“-Serien-Produktionen vergeben, die durch Fördergelder des Bundes, d.h. BKM, GMPF, DFFF oder FFA finanziert wurden. Die Mehrzahl der deutschen fiktionalen Produktionen werden fürs Fernsehen produziert, kommen für solche Förderungen also nicht in Frage und gingen im Krisenfall leer aus.

Seit zwei Monaten gehen deswegen die Verhandlungen weiter. Die Produzentenallianz setzt stellvertretend für den Produzentenverband als starker Vertreter der deutschen Filmwirtschaft auch dieses Mal diverse Hebel in Bewegung, aber die Ergebnisse sind bisher noch nicht befriedigend.

Laut epd medien stehen zwar die Länder der Schaffung eines „Ausfallfonds II“ positiv gegenüber – Bayern, NRW und Berlin liefern sogar schon konkrete Zahlen für ihre Beteiligung –, aber die Sender, deren Beitrag zum Fonds aus Ländersicht unumgänglich ist, stehen dem Ganzen zwiegespalten gegenüber. ARD und ZFD äußerten sich zuletzt, dass der Fonds Staatssache sei. Die privaten Sendeanstalten ProSiebenSat.1 und RTL verfolgen auf Grund stark gesunkener Werbeeinnahmen aktuell andere Prioritäten und halten sich ebenfalls mit offiziellen Zugeständnissen für die Beteiligung an einem „Ausfallfonds II“ zurück.

Dabei ist eine Etablierung des Fonds weiterstgehend für die nahe Zukunft sinnvoll, denn je länger Produktionen aufgeschoben werden, desto größer ist die Gefahr eines Drehstaus. Ein Fonds könnte als zusätzliche Sicherheit dienen. Sollte das Geld im besten Fall nicht für Corona-bedingte Abbrüche verwendet werden müssen, könnten damit auch Produktionsunternehmen stabilisiert werden, die ohnehin mit dem Ausfall ihrer HUs durch staatliche verhängte Drehstopps in Schwierigkeiten geraten. Neben den Infektionszahlen wären alle Beteiligten gut beraten, die Großwetterlage aus den Produzentenverbänden ernst zu nehmen.

Bild © pixabay | Skitterphoto

 

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