Die Öffnung der Kinos ist in einigen Regionen Deutschlands bereits erfolgt, im Juli ziehen die meisten anderen Standorte nach. Das Publikum wartet vielerorts auf die lang verschobenen Blockbuster und Kulturbonbons. Zu Recht, denn die Slate der Verleiher ist lang. Doch auch die bereits bestätigten Beteiligungszusagen binden Finanzmittel. Für Produzent*innen wird der Silberstreifen heller – aber nicht überall.

Nach den harten Lockdown-Monaten ist der Hunger nach Sozialkontakten und Kulturerlebnissen groß. Das wird sicherlich auch den Kinos zugutekommen. Viele andere Angebote öffnen allerdings ebenfalls Stück für Stück, wie Gastronomie, Schwimmbäder und Konzerthallen. Das Kino steht im Wettbewerb wie zuvor. Der Kampf um endliche Ressourcen betrifft auch die Produzentenschaft. Durch den Mangel an Content füllen Fernsehsender die ausgefallenen Event-Sendeplätze mit Neuprodukten. Gleichzeitig kämpfen die Streamer um ihren Marktanteil mit aufwändigen Projekten. Das bindet Fachkräfte und andere Ressourcen, aber auch Finanzierungsmittel. Eine Herausforderung für die Entwicklung von Produktionsvorhaben.

Die FMC | TV & Digital hat die Trends vom Forum der Filmwirtschaft bestätigt. Welche Auswirkungen sich konkret auf die Kreativen zeigen, diskutieren Expert*innen und Betroffene beim Talent Summit am 01.07.2021. Trotz des Fachkräftemangels profitieren viele Filmschaffende nicht oder nur eingeschränkt. Selbst das große Streben nach sozialer Nachhaltigkeit, beispielsweise durch die Altersvorsorge der Pensionskasse Rundfunk, sind auch im fünfzigsten Jahr des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit für Kinoprojekte noch ausbaufähig. Gerade aber soziale Nachhaltigkeit gilt als zentrales Argument in der Beschaffung von Finanzmitteln, auch außerhalb von Filmförderungen.

ESG – Environment, Social, Governance – bezeichnet, was Investoren heute wichtig ist. Mit dem grünen Drehpass ist ein erster Schritt in Richtung nachhaltiger Produktion getan. Der Schutz unserer Umwelt könnte weitere Digitalisierungsschritte unterstützen. Noch zu träge laufen die Förderprogramme und entsprechend langsam ist die Umsetzung kollaborativer Arbeitsformen und deren rechtlicher bzw. technischer Voraussetzungen. Nachhaltigkeit bezieht sich aber auch auf das soziale Miteinander und das wird primär durch Kommunikation geprägt. Messenger und Soziale Medien sorgen für eine Verkürzung von Sprache auf „das Wesentliche“.  Wichtig ist in einer kooperativen Welt aber auch der Zwischenton, die Geste und die Mimik. Denkt man allein an Barrierefreiheit und die nur rudimentär umgesetzten Anforderungen an den Zugang zu Informationen muss hier noch viel mehr geleistet werden.

Stetig wachsender Aufmerksamkeit ist sich der Bereich Governance gewiss. „Hygiene“ im Geschäftsalltag wird umgangssprachlich vorausgesetzt, liegt im internationalen Vergleich aber teilweise weit unter Standard. Allein durch die Vielzahl an Bargeldgeschäften, auch in der Produktion, wächst der Dokumentationsaufwand. Das Management von Vertretungs- und Handlungsvollmachten innerhalb der Produktion mit auf Produktionsdauer befristet Beschäftigten und ein durchgängiges Compliance Management behindert deutsche Unternehmen beim Zugang zum Kapitalmarkt. Künftig werden auch Auftraggeber durch ihre eigenen Verpflichtungen gegenüber ihren Finanziers darauf mehr Wert legen müssen. Wer sich frühzeitig um griffige und praxiskonforme Lösungen kümmert, wird den Wettbewerbsvorteil direkt monetarisieren.  

Foto © Derks24 | Pixabay

 

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