Gefangen im alten Weltbild dreht sich die Filmwirtschaft um neue Themenzentren, wie KI und vertikale Serien. Green Shooting, Fachkräfte, innovative Filmförderung sind aus dem Fokus gerutscht. Ein gefährlich enger Blick in einer Welt in Umbrüchen. Tendenzen zum Egoismus, Überhöhungen als Normativ, Ungeduld und kurze Aufmerksamkeitsspannen entfalten ihre Auswirkungen nicht nur in der Kultur- und Unterhaltungsbranche. Auch Kolumbus war bis zu seinem Tod seiner Entdeckung, der Abkürzung nach Indien, überzeugt. Zeit für Veränderung, Neubewertung und Zäsur. Fast Fashion, E-Bikes, Micro Drama – schnell, einfach, individuell. Insolvenz- und Konsolidierungsnachrichten alarmieren: es ist längst nach 12 und wer jetzt im Spiel bleiben will, muss sich neuen Realitäten stellen.
Endlich bietet auch die Kreativwirtschaft unternehmerische Chancen. Zweifellos nicht risikofrei stehen jetzt Investitionen in den substantiellen Umbau der eigenen Zukunftsplanung an. Wie wird filmische Unterhaltung und Kommunikation in 20 Jahren aussehen - und wie in 2028. Die Halbwertszeit der Gegenwart und damit die Zuverlässigkeit der kurzfristigen Zukunftsprognose unterliegt neuen Gesetzen. Die weltpolitische Lage reflektiert den ökonomischen Mikrokosmos im privaten Umfeld. Wer ist Freund, woher kommen Einflüsse auf Kultur und Normenwertung. Was gestern noch galt, ist heute schon Vergangenheit.
Filmprojekte sollen bei ihrem Markteintritt einen Zeitgeist treffen, der bei der Drehbuchidee nicht absehbar war. Historische Stoffe, universelle Geschichten und austauschbar replizierbare Repliken haben die Chance auf ein „Rest“-Publikum, so hart muss es formuliert werden. Die Veränderungs-Taktung der Zeitgeschichte hat den Produktzyklus von Film überholt. Der Zeitgeist heute unterliegen Hochfrequenztaktung und Informationsüberschuss. Besucherzahlen aus der Hochzeit des Kinos gehören zur Vergangenheit. Die Bandbreite öffentlich zugänglicher Daten lassen eine nicht unerhebliche Bandbreite erkennen. Dennoch sind viel diskutierte Trends plausibel. Dem Boxoffice in 2025 von global noch etwa 34 Mrd USD (2019: 42 Mrd USD) stehen in 2025 150 Mrd. USD (2020: 50 Mrd USD) der Streaminganbieter gegenüber.
Noch dramatischer ist die Entwicklung in der Herstellung von Content. In 2025 floss insgesamt etwa eine Viertel Billion USD (über 10% mehr als 2020) in die globale Contentproduktion. In Kinoproduktionen, die auch von Kulturförderprogrammen profitieren, wurden 11 Mrd USD (im Gegensatz zu rund 30 Mrd USD in Streamer Originals) investiert. Insgesamt engagierten sich die Streamer mit 90-100 Mrd USD in der Produktionswirtschaft. Berücksichtigt man die Programmbudgetentwicklungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, ist höchste Zeit für Kassensturz.
Aktuell werden die ersten Details zu den Richtlinien der Filmförderreform kolportiert. Dieses Subventionsprogramm sendet keine Aufbruchsignale, sondern eher eine Unterstützung in einer Übergangsphase. Der weiter massiv steigende Markt, inzwischen klar von Streamern dominiert, bietet große Potenziale in Zukunftsmärkten. Deutschland bietet mit der filmtechnischen Infrastruktur, der schieren Masse an Kompetenz und Kreativität, preisgekrönt mit hoher Reputation eine perfekte Ausgangsbasis, die von der Bundespolitik sträflich ignoriert wird. Immerhin ist jetzt eine gewisse Planungssicherheit in Reichweite.
Die Megatrends Konsolidierung, Geschäftsaufgabe auf der einen Seite und neue Verwertungsformen, Künstliche Intelligenz andererseits werden die Kreativwirtschaft auch in diesem Jahr begleiten.
Comments (0)
There are no comments for this article. Be the first one to leave a message!